Die Griechen, die wohl die wichtigste Rolle in der geschichtlichen Entwicklung Europas spielten, hatten bereits eine ausgeprägte Weinkultur. Es gab drei verschiedene Arten von Wein: weißer, schwarzer und bernsteinfarbener. Die Geschmacksrichtungen lagen damals, genau wie heute, zwischen trocken und süß. Ein Unterschied war allerdings der Alkoholgehalt, der mit ca. 15% deutlich höher ausfällt als beim größten Teil der Weine heute.
Gelagert wurde der Wein in Tonkrügen oder versiegelten Schläuchen aus Ziegenhaut. Obwohl damals der Wein üblicherweise aus lokalem Anbau stammte, Transporte über weite strecken waren durch die verfügbaren Transportmittel wie Pferd oder Schiff sehr aufwändig und selten rentabel, gab es durchaus Anbaugebiete mit besonders gutem Ruf. Diese Weine wurden dann auch über weitere Strecken transportiert und an wohlhabende Kunden verkauft.
Die besten Weine kamen aus dem Gebieten Chios, Thasos, Lesbos und Mende (auf der Halbinsel Chalkidike). Die Transportgefäße waren Amphoren. Eine Amphore (oder auch Amphora, griechisch, bedeutet “Doppelträger“) war ein bauchiges Gefäß mit schlankem Hals, an dem auf zwei gegenüberliegenden Seiten Tragegriffe angebracht waren.
Das Fassungsvermögen betrug zwischen 5 und 50 Litern. Amphoren waren meistens aus Ton, manchmal aber auch aus Metall, zb. aus Bronze, Silber oder Gold. Auch wenn die Amphore auch noch für einige andere Zwecke benutzt wurde, wurde sie überwiegend zur Lagerung bzw. dem Verkauf von Wein, manchmal auch Olivenöl, verwendet. Tatsächlich wurden die meisten Amphoren auch in Regionen Hergestellt, in denen Wein- oder Olivenanbau betrieben wurde. Aus diesem Grund wiesen alle Weinamphoren charakteristische Formen auf, oder trugen zumindest Abbildungen oder Aufschriften, woraus der Herkunftsort des Weines hervorging.
Eine Amphora wurde übrigens später von den Römern als Hohlmaß von 26,03 Litern festgelegt.
Die Trinkgewohnheiten dieser Zeit zeichneten sich durch einige interessante Details aus, die in der heutigen Weinkultur schon lange nicht mehr existieren. Die Griechen tranken ihren Wein immer nur verdünnt mit Wasser, wobei üblicherweise das Wasser einen weit größeren Anteil am Gemisch hatte als der Wein. Angemessen galt ein Mischungsverhältnis von etwa 5:2, also würden 2 Liter Wein mit 5 Litern Wasser aufgefüllt. Der Genuss von unverdünntem Wein galt als Merkmal der Barbaren. Barbaren waren im übrigen alle Menschen, die kein Griechisch sprachen (für die Römer alle die keine griechische oder römische Bildung hatten), was allerdings entgegen der heutigen Verwendung des Wortes keineswegs abwertend gemeint war.
Unverdünnter Wein wurde nur zu einer Gelegenheit getrunken, nämlich dem Trankopfer zu Beginn eines Trinkgelages (griechisch: Symposion, das heutige Wort Symposium als Bezeichnung für eine wissenschaftliche, oder zumindest Themengebundene, Tagung hat mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes nur noch wenig zu tun).
Gemischt wurde der Wein erst in einem Gefäß namens Krater, danach aus flachen Schalen mit hohem Fuss und zwei kleinen Henkeln an den Seiten getrunken. Der Wein wurde teilweise vorher in einem speziellen Gefäß gekühlt, manchmal wurde auch Schnee direkt in die Trinkschalen gefüllt und anschließend der Wein hinzugegeben. Der Wein erfreute sich auch im Byzantinischen Reich großer Beliebtheit. Besonderheiten waren hier, dass dem Wein Gewürze zugesetzt wurden um den Geschmack zu verbessern. Beliebte Anbaugebiete waren auch hier teilweise noch die gleichen Gebiete die auch im antiken Griechenland schon für ihren Wein bekannt waren. Allerdings begann man in Byzanz schon, bestimmte Weine nach Westen zu exportieren, etwa nach Italien oder England. Für den Export nach England wurde der Wein sogar gekocht, was damals möglicherweise bereits eine Vorstufe des heutigen Sherrys war.
Der Weinbau selbst, also der kultivierte Anbau der Weinrebe wurde mit den Eroberungen des Römischen Reiches in Europa verbreitet. Die Römer führten bei ihren Feldzügen auch immer einen Weinvorrat mit sich, denn Wein hatte damals weniger die Stellung des reinen Genussmittels (wie heute), vielmehr wurden ihm heilende und stärkende Wirkungen zugesprochen. Die Römer tranken ihren Wein, genauso wie die Griechen, meist verdünnt mit Wasser.